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Antiwitze & Sparwitze

Ein Witz hat die Aufgabe, lustig zu sein und damit andere Leute zum Lachen zu bringen. Nun gibt es gute und eher schlechte Witze, und unter Witzen, die eigentlich gut sind, gibt es wiederum solche, die den Lacherfolg dennoch vermissen lassen, weil sie schlichtweg uninteressant erzählt werden. Doch es existiert auf der anderen Seite ein regelrechtes Phänomen, das diese Regel in umgekehrtem Licht erscheinen lässt, und dieses Phänomen besteht in der offensichtlichen Komik von so genannten Antiwitzen und Sparwitzen, deren tieferer Sinn sich auch nach längerer Überlegung nicht ermitteln lässt, obwohl sie zum gewünschten Lacherfolg führen.


Antiwitze & Sparwitze

Schwach anfangen

Schwach anfangen und dann stark nachlassen.



Ich hätte gerne 30 Brötchen

Mann zum Bäcker: „Ich hätte gerne 30 Brötchen.“ Bäcker: „Nehmen sie doch 40, dann platzt die Tüte.“



Tagsüber bin ich müde

Tagsüber bin ich müde, weil ich nachts Pfandflaschen sammle!



Flacher Bauch

Tipp für einen flachen Bauch: Nur flache Sachen essen… Schokoladetafeln (keine Toblerone) und Pizza (keine Calzone)



Viele Leute sind verwirrt

Viele Leute sind verwirrt wenn ein Satz anders endet als man Kaninchen



In meiner Suppe schwimmt eine Fliege

„Herr Ober! In meiner Suppe schwimmt eine Fliege!“ – „Was sollte sie denn sonst tun? Radfahren?“



Wir müssen sparen

Wir müssen sparen, koste es was es wolle…



Schluchzt die Glühbirne

Schluchzt die Glühbirne: „Ich bin fassungslos!“



Aufgegessener Keks

Sieh mal, da liegt ein aufgegessener Keks…



Schützt die Bäume

„Schützt die Bäume, esst mehr Biber!“



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Der Antiwitz ist eigentlich eine sehr clevere Angelegenheit. Er spielt mit Mustern regulärer Witze, lässt sie aber am Ende ins Leere laufen und die erwartete Pointe vermissen. Oft arbeitet ein solcher Witz thematisch auf eine ganz bestimmte Situation hin, und der Rezipient glaubt bereits, eine Erwartung hegen zu können, worauf alles am Ende hinausläuft. Dann jedoch nimmt der vermeintliche Witz eine plötzliche Wendung und wechselt, meist erst innerhalb des letzten Satzes, das Thema und bringt einen Aspekt hinein, der mit der bisher erzählten Geschichte rein gar nichts mehr zu tun hat. Dabei wird keine Zweideutigkeit benutzt und auch keine Wortspielerei, auch wenn das im ersten Moment den Anschein haben mag. Doch der Sinn eines solchen Scheinwitzes liegt ganz einfach in seiner Sinnlosigkeit.

Es gibt aber auch Antiwitze, bei denen von vornherein klar ist, dass am Ende nichts Brauchbares oder wirklich Lustiges dabei herauskommt. Bei dieser Art von Witzen fängt die erzählte Geschichte meistens schon unsinnig und fast schon surreal an. Da jedoch dieses Muster schon seit einigen Jahrzehnten bekannt ist, erwartet der Zuhörer auch keine klare Pointe.

Das Wesen eines Sparwitz

Ein Sparwitz dagegen besteht meistens aus sehr wenig Text, in dem allerdings durchaus mit Worten gespielt wird. In aller Regel handelt es sich dabei um kurze Sprüche, die ins Absurde führen und als verbale Form bekannter optischer Täuschungen angesehen werden. Im ersten Moment klingt der abgegebene Satz vollkommen logisch, doch wird über den Sinngehalt eines solchen Ausspruches nachgedacht, kommt erst der Sparwitz zum Vorschein. Er ist daher gut geeignet, Gesprächspartner aufs Glatteis zu führen, von denen man den Eindruck hat, dass sie einem nicht wirklich zuhören. Oft wird dem Erzähler eines Sparwitzes daher beigepflichtet, was sich für den nicht wirklich konzentrierten Zuhörer dann als recht blamabel erweist.

Über die Herkunft und den Ursprung von Anti- und Sparwitzen lässt sich sicherlich lange philosophieren. Dazu sollte man zunächst ermitteln, wann sie normalerweise erzählt werden. Hier lässt sich ein bestimmtes Phänomen immer wieder beobachten: Eine Gruppe von Menschen erzählt sich gegenseitig (normale) Witze. Eine Person sitzt dabei und fällt dadurch auf, dass sie über keinen dieser Witze lachen kann. Es ist an dieser Stelle unwichtig, ob diese Person alle erzählten Witze bereits kennt oder einfach nur besonders humorlos ist. Wichtig ist die Beobachtung, dass genau diese Person sich plötzlich mit recht gelangweiltem Unterton in die Unterhaltung einmischt und einen Anti- oder Sparwitz erzählt. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass alle bereits erzählten Witze auf diese Person wirken wie ein nicht lustiger Witz. Der Antiwitz wird damit zu einem Gegenschlag, der im Prinzip nichts anderes zum Inhalt hat wie der Ausspruch: "Ich seid ja alle soooo witzig!" Interessant ist jedoch, dass genau dieser Schuss oft nach hinten losgeht, denn nach einem kurzen Anfall von Stutzigkeit fangen nun auch die anderen Possenreißer an, Antiwitze zu erzählen, die sie dann offenbar selbst lustig finden. Spätestens hier driftet die gesamte Runde ins Alberne ab, und ein gewisser Alkoholpegel ist nicht selten Auslöser für eine solche Situation.

In den achtziger Jahren brachte die Sendung "Verstehen Sie Spaß" ein weiteres Beispiel für einen vermeintlichen Lacherfolg aufgrund eines Antiwitzes. Der Lockvogel war niemand anders als Heinz Schenk ("Der blaue Bock"), der kurz vor seinem Auftritt hinter der Bühne Kollegen und Bühnenarbeiter leimte. Er erzählte ihnen einen Witz, den er, wie er vorgab, gleich öffentlich präsentieren wollte. Dabei handelte es sich um einen tatsächlichen Witz, dessen Pointe er jedoch kurzerhand umänderte, sodass die Geschichte dadurch keineswegs mehr lustig, sondern unsinnig und sinnlos erschien. Obwohl es keinen Anlass gab, über den "entschärften" Witz zu lachen, amüsierten sich die Rezipienten aufs Köstlichste. Dies ist ein weiterer Aspekt eines vermeintlichen Erfolges: Das Lachen aus Höflichkeit.

Anders sieht es jedoch bei inzwischen schon bekannten Geschichten anderer Prominenter aus. Ein Paradebeispiel für das meisterhafte Erzählen von Antiwitzen, dazu oft sogar noch in musikalischer Form, sind die Auftritte und Filme des Komikers Helge Schneider. Bei ihm weiß der Zuhörer bereits im Voraus, dass fast sämtliche seiner Witze ins Leere laufen. Dazu beherrscht er beide Künste: die Antiwitze ebenso wie die Sparwitze. Da es sich bei seinen Auftritten oft um Stegreifgeschichten handelt, ist er gewissermaßen als ein geistiges Stiefkind von Jürgen von Manger ("Tegtmeiers Reisen") zu verstehen, wenn auch seine gekonnten Wortspiele oft an die Künste eines Heinz Erhard erinnern. Sein Vortrag "Flora und Fauna" ist beispielsweise an Absurdität kaum noch zu übertreffen, wobei er sich hier unter anderem einer bestimmten Technik bedient: Er beginnt einen Satz, der sich interessant zu gestalten scheint. Dieser wird unterbrochen, weil der Erzähler durch etwas abgelenkt zu sein scheint, dem er zunächst verbal seine Aufmerksamkeit widmet. Dann vervollständigt er den Satz, jedoch ist dieser jetzt von völlig nebensächlichem Charakter und schliddert ab ins Unbedeutende. Die Frage stellt sich, ob hier wirklich über den eigentlich gar nicht vorhandenen Witz gelacht wird oder vielmehr über die (scheinbare) Überzeugung des Künstlers, witzig zu sein.

Geheimnis der Antiwitze

Das Geheimnis des Anti- oder Sparwitzes liegt einfach darin begründet, dass er deswegen lustig ist, weil er nicht lustig ist. Ähnlich des Filmes "Scary Movie", der sich über den ohnehin schon recht komödienhaften Film "Scream" lustig macht, wird beim Antiwitz das Wesen eines Witzes ins Lächerliche gezogen. Er stellt eine Überspitzung bzw. Überzeichnung der herkömmlichen Vorstellung von Humor dar. Und eben dies ist auch der Grund, warum solche Witze manchmal sogar mehr Lacher erzeugen als ihre "konventionellen" Vorbilder - der Witz wird durch einen plötzlichen Tritt auf die Bremse gestoppt und der nicht angeschnallte, über den Löffel balbierte Zuhörer tritt als Kasper in unkontrolliertem Gelächter den Flug durch die Scheibe an.