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Häschenwitze

Sie sind so beliebt wie einfach und kurz: Häschenwitze. Wenn ein Häschen einen beliebigen Laden betritt, um genau dort das zu kaufen, was dieser Laden gerade nicht führt, ist die Grundlage für den entsprechenden Wortwitz geschaffen. Dazu kommen noch Spielereien mit Doppelbedeutungen von Wörtern – schon ist der Witz perfekt.


Häschenwitze

Hase zur Eierverkäuferin: haddu rührei?

Hase zur Eierverkäuferin: haddu rührei? Verkäuferin: nein nur ganze eier *Hase wirft entsetzt eier zu boden* Hase: jetzt haddu rührei



Häschen: Haddu Rotkohl?

Häschen: Haddu Rotkohl? Verkäufer: Nein nur Weißkohl Häschen: Muddu rot anmaln dann Haddu Rotkohl



Häschen trifft Michael Ballack: Wat maddu?

Häschen trifft M. Ballack: Wat maddu? Fussball. Meistens schieße ich einen Pass! Häschen: Kanndu mir einen schießen? Ich will verreisen!



Häschen ruft Metzger an

Häschen ruft Metzger an: Haddu Schweinshaxen? Ja Haddu eine Rinderbrust? Ja Haddu einen Kalbskopf? Ja Muddu aber scheußlich aussehen!



Ruft Häschen in einer Molkerei an: Hattu Milch?

Ruft Häschen in einer Molkerei an. „Hattu Milch?“ „Ja.“ „Hattu auch Fettarme?“ „Natürlich“ „Muttu langärmelige Blusen tragen.“



Häschen kommt mit dem Fahrrad zur Tankstelle

Häschen kommt mit dem Fahrrad zur Tankstelle: Volltanken bitte! Tankwart: Haste ne Schraube locker? Häschen: Kannst du auch festziehen



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Der Ursprung der Häschenwitze

Häschenwitze sind eine typisch deutsche Witzkategorie. Ihr Ursprung liegt in der DDR der 1970er Jahre. Da Häschenwitze fast immer nach demselben Schema aufgebaut sind und mit einer Frage „hattu/haddu?“ beginnen, wurde der Witz selbst durch die ordnungsgemäße Verneinung der Häschenfrage eingeleitet. Der Witz selbst lag dann in der letzten Antwort des Häschens begründet. In der ehemaligen DDR herrschten Planwirtschaft und Mangel besonders an westlichen Angeboten. Obst und Gemüse gab es nur aus regionalem Anbau und nur das, was gerade saisonal verfügbar war. War nicht die Zeit, dass Möhren geerntet und verkauft werden konnten, gab es dieses Gemüse nicht.

Was machte die Häschenwitze in der DDR so erfolgreich?

Aus dem Mangel an bestimmten Gütern heraus entstand der Häschenwitz. Zum einen lässt sich der Unmut über bestimmte Mangelzustände mit Humor besser ertragen, zum anderen lässt sich eine versteckte Systemkritik viel besser als Witz tarnen. Der Häschenwitz hatte also eine Art Ventilwirkung. Ganz im Sinne des berühmten „Gelassenheitsgebets“ von Reinhold Niebuhr: „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ fügte man sich als DDR-Bürger eben in das Schicksal, dass es keine freien Märkte mit scheinbar unendlich verfügbaren Gütern in einer unglaublichen Vielfalt geben sollte. Man konnte es nicht ändern und musste die Zustände hinnehmen, wollte sich aber dennoch mit ihnen auseinandersetzen. Also regten sich die DDR-Bürger nicht auf, sondern verpackten das Unabänderbare in einen platten Witz und ertrugen ihre eigene Situation so mit Humor.

Häschenwitze – ein innerdeutscher Import

Die subtile Form des politischen Witzes – versteckt hinter der platten Fassade eines Häschenwitzes – blieb nicht lange alleiniges Eigentum der DDR-Bürger, sondern wurde durch westdeutsche Verwandte über die innerdeutschen Grenzen getragen. So verbreiteten sich Häschenwitze ab 1976 auch in der Bundesrepublik Deutschland rasend schnell. Allerdings haben Häschenwitze in Westdeutschland einen platten Beigeschmack. Sie wirkten nicht so treffend komisch, wie sie es in der DDR taten, sondern eher wie ein abgeschmackter Gag, der hierzulande nicht so recht das Humorgefühl treffen sollte. Einzig Kinder konnten sich über das neue Genre des Häschenwitzes kaputt lachen, weshalb diese Witzform bis heute vorwiegend in Kinderkreisen weitergegeben wird.

Warum konnten Westdeutsche über Häschenwitze nicht lachen?

Dass westdeutsche Erwachsene den subtilen Humor des ostdeutschen Häschenwitzes nicht nachvollziehen konnten, lag in der Natur der Dinge: Im Westen herrschte niemals Mangelwirtschaft. Alles, was man sich nur wünschte, konnte man in den Supermärkten massenweise kaufen – und zwar zu jeder Jahreszeit. So bekam der Westdeutsche damals auch im Winter Erdbeeren und Spargel und ganzjährig Bananen, die es bekanntlich in der DDR überhaupt nicht gab – oder allenfalls höchst selten, wenn welche aus Kuba geliefert wurden. Ohne Mangelgefühl jedoch versteht man die Häschenwitze nicht – es sei denn, man ist ein Kind. Für Erwachsene klangen und und klingen Häschenwitze noch heute unverständlich platt. Für den DDR-Bürger aber waren sie eine treffende Pointe, die die wirtschaftlichen Zustände überspitzt nachzeichneten.

Die neue Generation der Häschenwitze

Nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung, welcher der Zusammenbruch des sozialistischen DDR-Regimes vorausging, fiel die Grundlage für eine Karikatur der Mangels à la Häschenwitze weg. Damit die Häschenwitze nicht nicht mehr nur reine Kinderwitze blieben, mussten sie eine kleine Veränderung durchlaufen, um sie auch dem heutigen Erwachsenen wieder schmackhaft zu machen. So entstand eine neue Generation an Häschenwitzen, die zwar dem sprachlichen Aufbau treu geblieben sind und allesamt mit „hattu/haddu?“ oder „bittu/biddu?“ beginnen, die aber einen neuen Fokus in die Pointe gelegt haben. War die alte (DDR-)Generation von Häschenwitzen noch von der Art, dass das Häschen in einem Geschäft penetrant genau das haben wollte, was das Geschäft nicht führte und daraufhin vom Ladenbesitzer in irgendeiner Form bestraft wurde, zielt die neue gesamtdeutsche Generation von Häschenwitzen auf den Wortwitz ab. So fragt das Häschen in einem Witz der neueren Sorte einen Metzger nacheinander, ob er Schweinshaxen, Kalbskopf oder Rinderbrust habe. Nachdem der Metzger jede einzelne Frage artig bejaht, kommt das Häschen zu dem Schluss: „Muttu/muddu bescheuert aussehen.“ Hier liegt der Witz in der Doppeldeutigkeit des Hilfsverbs „haben“. In der Fragestellung versteht der Metzger darunter, ob er dieses oder jenes im Sortiment führt, das Häschen aber meint, ob der Metzger selbst damit ausgestattet ist. So reden Fragender und Antwortgeber klar aneinander vorbei, was am Ende zu einer pointierten Verwechslung führt. Über diese Art von Häschenwitzen kann auch die Erwachsenengeneration wieder lachen, dam niemand mit einer solchen wortwitzigen Wendung in der Pointe rechnet.

Die Zukunft der Häschenwitze

Die Häschenwitze in ihrer ursprünglichen Form sind durch die neuere Generation damit längst nicht abgelöst. Vielmehr existieren beide Varianten parallel nebeneinander. Nach wie vor existieren Häschenwitze, die eine stumpfe Pointe aufweisen, dass sie einen Erwachsenen intellektuell beleidigen. Diese Sorte Häschenwitze würde man niemals in einer geselligen Runde zum Besten geben, um sich selbst nicht lächerlich zu machen. In Kinderkreisen jedoch finden die stumpfen Häschenwitze nach wie vor großen Anklang. Kinder verstehen deren Witz, der sich Erwachsenen nicht mehr erschließen möchte. Das kann damit zusammenhängen, dass Kinder noch nicht über die Fähigkeit zur subtilen Pointe verfügen. Sie lachen über das Offensichtliche, während Erwachsene das Offensichtliche geistig unterfordert und damit langweilt. Um in Erwachsenenkreisen weiterhin Bestand zu haben, müssen neue Häschenwitze gefunden werden, welche dem Intellekt erwachsener Menschen Rechnung tragen. Ansonsten wird die Zukunft der Häschenwitze darin liegen, dass sie nur noch in Kinderkreisen erzählt werden, bei Erwachsenen aber genervtes Augenrollen verursachen.