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Fritzchen Witze

Fritzchen ist ein kleiner Junge, der definitiv kein Blatt vor den Mund nimmt. Fritzchen platzt mit Sachen heraus, die manchmal niedliche Missverständnisse, häufig auf schockierende Weise beleidigend, gern auch obszön sind. Seine Attitüde ist von Witz zu Witz unterschiedlich, von wirklich unschuldig bis knapp jenseits der Grenze zur Boshaftigkeit. In den Witzen tritt er in verschiedenen Lebensaltern auf, von etwa 4 Jahren bis schätzungsweise 11. Auf jeden Fall bewahrt er stets sicheren Abstand zur Pubertät. Was die Fritzchen Witze komisch macht ist, dass Fritzchen nicht weiß (oder nicht zu wissen vorgibt?), dass man gewisse Dinge eben nicht sagt. Mehr noch - er bringt seine Pointen mit einer Sicherheit vor, die aus der Überzeugung rührt, etwas in der Erwachsenenwelt durchaus Angebrachtes zu sagen. Der putzige und von Erziehungsberechtigten halb totgeliebte Kindermund wird von Fritzchen in dieser Weise oft in ein beleidigendes oder versautes Extrem getrieben, das Erwachsene alles andere als rührend finden.


Fritzchen Witze

Fritzchen fragt Papa wo er herkommt

Fragt Fritzchen: „Papa, von wo komme ich her?“ Vater: „Dich hat der Storch gebracht!“ Fritzchen empört: „Papa! Du fickst aber auch alles!“

Fünf Sachen, die Milch enthalten

Fragt die Lehrerin: “Nennt mir fünf Sachen, die Milch enthalten.” Meldet sich Fritzchen und sagt: “Fünf Kühe, Frau Lehrerin.”

Magst du Papas Freund?

„Mama“, fragt Fritzchen,“magst du Papas Freund?“ „-Ja!“ „Und warum sperrst du ihn immer in den Schrank, wenn Papa kommt?”

Größenverhältnisse Mars Mond

Lehrer: Stellt Euch vor, mein Kopf ist der Mars und der Apfel der Mond! Das sind die Größenverhältnisse! Fritz: Und ist der Mars besiedelt?

Fritzchen fragt Tina

Fritzchen fragt Tina: “Willst du mit mir gehen?” Tina antwortet: “Fällt dir denn nichts Besseres ein”? “Doch, aber die wollte nicht…”

Oma droht Fritzchen wegen Suppe

Fritz ist bei seiner Oma. Er mag die Suppe nicht. Die Oma:“Iss jetzt, sonst hole ich den bösen Wolf!“ Fritz:“Der frisst die auch nicht!“

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Auf Fritzchens Spuren in den 1920er Jahren

Witze gehören zu den oralen Traditionen. Sie werden mündlich weitergegeben, nach Belieben angepasst und verändert. Witzen bis zu ihren Wurzeln zu folgen ist eine ausgesprochen schwierige Aufgabe. Im Fall von Fritzchen kann man wohl davon ausgehen, dass er ein Kind der 1920er Jahre ist. In dieser Zeit beschleunigte sich das Leben in den Großstädten auf ein im Vergleich zu früheren Jahren geradezu manisches Tempo. Produktivität, Technik, Verkehr, Moden, soziale Veränderungen und Verwerfungen - eine Premiere löste die andere ab. Was gestern noch ein Superlativ war, war heute schon wieder aus der Mode. Bisherige Maßstäbe konnten dem Ansturm des Neuen nicht mehr standhalten. Stabile Werte, Konstanz, Autorität, brave Strebsamkeit waren gestern. Am Grunde all dieser Hast lag eine große Verunsicherung, die kollektiv verdrängte Erinnerung an die grausamen Szenen der Ersten Weltkriegs.

In diesen Jahren änderte sich auch das Kinderbild. Der fixe Junge und das freche Mädchen traten auf die Bildfläche. Die beiden wissen auch ohne Autoritäten schon ganz genau, wo es langgeht - auch wenn sie damit nicht selten falsch liegen. Ihr Selbstbewusstsein gründet auf wenig mehr als ihre Jugend und Fixigkeit, grenzt aber trotzdem geradezu an Unverschämtheit. Fixe Jungen und freche Mädchen sind auch gegenüber Erwachsenen alles andere als demütig. Sie haben immer eine schlagfertige Antwort parat, deren Witz manchmal in einer überraschend wahrhaftigen Erhellung der Motive der Welt liegt und manchmal in einem kompletten Missverständnis derselben. Der fixe Junge tritt uns zum Beispiel als Gustav mit der Hupe in Erich Kästners "Emil und die Detektive" entgegen, das freche Mädchen als Pony Hütchen aus demselben Buch, oder als Pünktchen aus "Pünktchen und Anton".

Fritz und Franz, die "Conti-Buben"

An der Erschaffung des vermutlich prototypischen Fritzchens war interessanterweise der Schriftsteller Erich Maria Remarque beteiligt. Als Autor des tragischen Romans über den Ersten Weltkrieg "Im Westen nichts Neues" erlangte er Ende der 1920er Jahre Weltruhm. Von 1921 bis 1924 war Remarque als Redakteuer einer Art Werbeblatt tätig. Die Zeitschrift "Echo Continental" wurde von den "Continental" Gummiwerken als Hausblatt herausgegeben. Sie sollte in erster Linie die von "Continental" hergestellten Autoreifen, Faltboote und sonstigen Produkte bewerben und popularisieren. Dank erstklassiger Grafiker und Autoren entstand unter diesen relativ uninteressanten Voraussetzungen ein deutschlandweit bekanntes modernes Hochglanzmagazin der Autokultur. Ein Knabe namens Fritzchen Blitz war dort bereits 1920 von Karl Wigo Wiegand als Werbefigur eingeführt worden. Remarque gab Fritzchen einen Sidekick namens Franz und machte beide zu Lehrlingen in der Autowerkstatt von Meister Held. Die beiden hyperaktiven "Conti-Buben" wurden von Hermann Schütz gezeichnet und erlebten mit diversen "Continental" Produkten Comicabenteuer in einer Art durchgedrehtem Wilhelm Busch-Stil.

Durch diese Comics wurde Fritzchen bis in die 1930er Jahre hinein so populär wie später einmal das HB-Männchen. So hielt der muntere Knabe vermutlich seinen Einzug in den Volksmund. Ein Witz, in dem Fritzchen seine Lehrerin als "dufte Biene" bezeichnet und meint, einer Verbindung mit ihr stünde lediglich der "Altersunterschied" entgegen, stammt vermutlich aus dieser Zeit. Auch der Mutterwitz, mit dem Fritzchen den "letzten Platz", bis auf den eine Sportveranstaltung ausverkauft ist, für sich reklamiert, hört sich sehr nach einem frühen Fritzchenwitz an. Sogar der klassische Kinder-Fritzchenwitz mit der Oma, der nach einem Sturz ihre eigenen pädagogischen Bemühungen zum Verhängnis werden, weil man schließlich nichts vom Boden aufheben dürfe, könnte in der frühen Fritzchenzeit seine Wurzeln haben. Und auch "Da liegt das Schwein und rührt sich nicht", die konstante Pointe verschiedener immer wieder inhaltlich aktualisierter Fritzchenwitze, stammt mit einiger Sicherheit aus dieser Zeit.

Das aufgeklärte Fritzchen

Eine Art Neubelebung erfuhren die Fritzchenwitze in den 1970er und 1980er Jahren. Das frühreife Kind, das schon alles wusste, wusste jetzt sogar noch mehr. Explizite Details über Sex, Anatomie und all das, was die Erwachsenen so miteinander zu treiben hatten, gehörten nun zum soliden Halbwissen schon der kleinsten fixen Knaben. Und so macht Fritzchen seiner Lehrerin in aller vermeintlichen Unschuld sexuelle Avancen, wünscht sich zum Entsetzen der Oma einen Tampon, weil man mit dem laut Werbefernsehen "reiten, schwimmen und segeln" kann und interpretiert Muttis Sexspiele mit dem Briefträger auf seine eigene Art. Hier ist Fritzchen das furchtbare Kind, das moderne Erwachsene verdient haben und gerade deswegen so fürchten. An dieser Front entstehen immer noch neue, häufig geradezu schmerzhaft obszöne Fritzchenwitze.

Fritzchens Niedergang

Viele von Fritzchens verbalen Eskapaden wirken heute antiquiert und ohne richtigen Biss. Zum Teil liegt das daran, dass Fritzchens forcierte Frühreife, der Eifer, mit dem er nach Erwachsenenwissen strebt und an den halbverstandenen Ritualen der Erwachsenen teilnehmen will, heute kaum noch aktuell sind. Kinder haben seit einiger Zeit ihre eigene, von der Erwachsenenwelt immer mehr abgelöste und isolierte Kultur. Moderne Kinder finden die Erwachsenenwelt wenig attraktiv und haben keine sonderliche Eile, in sie einzutreten. An die Stelle von Frühreife ist in vieler Hinsicht eher eine bis auf Weiteres verlängerte Reifungsverzögerung getreten. Das Wissen um Sexualität ist heute zur eher nebensächlichen Selbstverständlichkeit geworden.

Fritzchen Witze haben wie viele populäre Phänomene einen Abstieg durch die Altersklassen durchgemacht und sind heute vorwiegend als Teil der Schulhofkultur der Grundschulen anzutreffen. Trotzdem - wer sich Fritzchen in all seiner antiquierten Pracht einmal richtig "zur Brust nimmt", der merkt, dass der Bursche "gar nicht so ohne" ist...