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Franzosenwitze

Unter den Europäern gehören die Deutschen nicht eben zur Top Drei der Völker mit dem meisten Sexappeal. Gründlichkeit, Ordnungsliebe, Fleiß, Disziplin und Grübelsinn - diese Klischees haben zwar auch schon ziemlich die Motten, fallen aber dennoch nach wie vor allen zuerst ein, wenn von den Deutschen die Rede ist. Charme, Stil, Lebensart, Verführungskunst und alles Erstrebenswerte dagegen werden anderen Völkern nachgesagt. Unter anderem eben den Franzosen. Was liegt daher näher, als die attraktiven Eigenschaften der Anderen ins Lächerliche zu ziehen und die deutschen Minderwertigkeitsgefühle unter einer dicken Schicht Spott zu verstecken?

Was an Franzosen so komisch ist? Eigentlich nichts. Franzosen sind ehrenwerte Leute. Aber sie sind eben auch verweichlichte, rotweintrinkende, baguette- und baskenmützentragende, Boule spielende, pluderhöschenbekleidete, sich in einem grotesk verschnupften Idiom, das kein Mensch verstehen kann, äußernde, arrogante, vermutlich allesamt homosexuelle Froschfresser. Und sie gehörten - großer Fehler! - zu den Siegermächten im Ersten und Zweiten Weltkrieg.


Franzosenwitze

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Die Mathematiker sind eine Art Franzosen
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Marianne und Germania, zwei ungleiche Schwestern

Auch wenn nicht alle Deutschen gut über die deutsch-französische Vergangenheit Bescheid wissen - ihr Frankreichbild ist doch letztendlich eine fein nuancierte Konsequenz von tausend Jahren Geschichte. Die Animosität zwischen Deutschland und Frankreich reicht lange zurück. Die sogenannte Erbfeindschaft zwischen den beiden Ländern wurzelt tief in einer kaum unterbrochenen Abfolge von kriegerischen Auseinandersetzungen vom Mittelalter über die Napoleonischen Kriege bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Der Vertrag von Verdun von 843, mit dem die drei Enkel des legendären Frankenkönigs Karl der Große nach jahrelangen Streitigkeiten das Frankenreich unter sich aufteilten, beinhaltete die Gründung der Königreiche Karls des Kahlen, Lothars des Ersten und Ludwig des Deutschen auf dem ehemaligen Reichsgebiet. Die Domänen von Karl und Ludwig bildeten dabei die Vorstufen der heutigen Länder Frankreich und Deutschland. Das zwischen beiden gelegene sogenannte Mittelreich des Lothars ohne Beinamen war und blieb der Zankapfel der beiden Nachbarreiche. Die dort liegenden Länder Elsass und Lothringen etwa wechselten im Laufe der nächsten tausend Jahre mehrfach die Zugehörigkeit.

Der französische "Erbfeind" über die Jahrhunderte

Seit ihrer Entstehung fanden sich Frankreich und die deutschen Länder in praktisch jeder kriegerischen Auseinandersetzung auf gegnerischen Seiten. Eine dieser Auseinandersetzungen war der Große Türkenkrieg 1683 bis 1699, der vorletzte Versuch des Osmanischen Reiches, in Mitteleuropa Fuß zu fassen. Während dieses Krieges beteiligte sich Frankreich nicht an der Koalition der betroffenen europäischen Mächte. Stattdessen nutzte Ludwig IVX. die Kriegswirren in seinem Sinne und konnte in Folge der Pfälzischen Erbfolgekriege Elsass, Lothringen und Straßburg an Frankreich angliedern. Die gezielte Verwüstung großer Teile der Pfalz während dieses Krieges unter dem französischen General Mélac war Teil einer Kriegsstrategie, die die zwischen zwei Fronten agierenden Deutschen unter Druch setzen sollte. In diesen Jahren wurde der Begriff der deutsch-französischen Erbfeindschaft geprägt.

Von 1800 bis 1812 eroberte nicht nur der französische Kaiser Napoleon halb Europa. Auch kulturell war die westliche Welt seit fast hundert Jahren vollkommen von Frankreich dominiert. Was heute der amerikanische Kulturimperialismus ist, stand damals unter französischem Vorzeichen. In den deutschen Kleinstaaten waren französische Sprache, französische Denkungsart, französischer Stil mehr als nur hip - sie hatten den Alltag der gehobenen deutschen Schichten vollkommen im Griff. Man flocht ganz selbstverständlich französische Sätze in seine Konversation ein und übernahm jede französische Mode. Gerade die Kultur der deutschen Königshöfe des 18. Jahrhunderts war komplett französisch geprägt.

Eine solche kulturelle Dominanz erzeugt früher oder später Ressentiments bei den derart Dominierten. Während der Befreiungskriege 1814/15 und der parallelen Suche nach einer eigenen deutschen Identität steigerte sich fast folgerichtig der Franzosenhass vieler Deutscher ins Irrationale. Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 schien die neue, selbstbewusste Selbstwahrnehmung der Deutschen zu bestätigen: In seinem Ergebnis fielen Elsass und Lothringen wieder an Deutschland. Die den Franzosen zusätzlich aufgebrummten Reparationszahlungen finanzierten in Deutschland den beispiellosen ökonomischen Boom der Gründerzeit.

Umso erniedrigender dann die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg 1914-1918. Deutschland musste Gebietsverluste hinnehmen (unter anderem ging auch Elsass-Lothringen wieder an Frankreich zurück) und wurde durch Reparationszahlungen an den Nachbarn wirtschaftlich empfindlich getroffen. Im Zweiten Weltkrieg dann 1940 die schnelle, fast kampflose Eroberung Nordfrankreichs, später das bekannte Ende mit der Aufteilung Deutschlands unter den Siegermächten.

Der verdrängte Erbfeind nach 1945

Die Achterbahnfahrt ihrer Nationalgefühle haben die Deutschen Frankreich nie richtig verziehen. Da die Erbfeindschaft nach 1945 offiziell keine Rolle mehr spielte, musste sie sich ins Trübe, Verdrängte und Unerwünschte zurückziehen. Von dort steigt sie in Form einer endlosen Anzahl von Witzen, die die angebliche militärische Unzulänglichkeit der Franzosen thematisieren, wieder an die Oberfläche empor. Es ist ihre politische Unkorrektheit, ihre Unerlaubtheit angesichts der zumindest offiziell frohen Vereinigung von Deutschland und Frankreich unter der Europamütze, die diese Franzosenwitze für manche so unwiderstehlich macht.

Deutschland hat sich über Jahrhunderte an Frankreich gerieben. Die Beziehung der beiden Mächte war zu Zeiten durch übermäßige Liebe, zu Zeiten durch übermäßigen Hass geprägt. Auf jeden Fall nicht durch Gleichgültigkeit. Über die Norweger ließe sich sicher auch einiges sagen - aber die Deutschen tun es nicht, weil es den beiden Nationen an Reibung fehlt. Schweden dagegen haben bekanntlich eine Menge Norwegerwitze im Repertoire.